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Change Management: Akzeptanz im SIX SIGMA-Projekt – wichtiger als jedes Werkzeug
Wenn Sie diesen Blog regelmäßig verfolgen, wissen Sie: SIX SIGMA hält eine beeindruckende Sammlung an analytischen Werkzeugen, vielfältigen Methoden sowie statistischen Maßnahmen bereit. Doch so sehr wir die DMAIC-Phasen auch lieben: Viele Projekte scheitern nicht an der Statistik oder an fehlenden Daten, sondern am menschlichen Faktor. Nämlich dann, wenn Tabellen und Diagramme zwar verständlich sind, der Mensch aber wenig Verständnis für die nahende Veränderung zeigt.
In diesem Beitrag blicken wir darauf, warum Change Management im SIX SIGMA-Kontext kein „Nice-to-have“ ist, sondern als absoluter Erfolgsfaktor betrachtet werden sollte.
Warum Erfolg und Misserfolg oft vom Faktor Mensch abhängen
Auch meine eigene Erfahrung als SIX SIGMA Master Black Belt zeigt: Selbst das beste Fischgräten-Diagramm bewirkt wenig, wenn die Mitarbeitenden beim Gedanken an Veränderungen die Arme verschränken. Natürlich wissen wir: SIX SIGMA ist datengetrieben. Aber die Umsetzung etwaiger Prozessoptimierungen ist zu einhundert Prozent menschlich. Widerstände entstehen nicht selten, weil Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter …
- … nicht genau wissen, warum etwas verändert wird.
- … befürchten, dass nun zusätzliche Arbeit entsteht.
- … schlichtweg an bestehenden Abläufen hängen.
Wenn SIX SIGMA-Teams und letztendlich die gesamte Belegschaft eines Unternehmens jedoch verstehen, welchen Nutzen eine Veränderung mit sich bringt, steigt die Akzeptanz in der Regel. Deshalb gilt: Change Management beginnt nicht erst im Improve-Schritt – sondern bereits in der Define-Phase, wenn erste Ziele kommuniziert und Erwartungen definiert werden.
Rollenverteilung im SIX SIGMA-Projekt: Wer führt eigentlich wen – und wohin?
Champions unterstützen strategisch, Process Owner tragen die Verantwortung und das Projektteam führt die Analysen durch – klingt doch ganz einfach, oder? In der Praxis sieht es häufig anders aus: Der Champion wird zum seltenen Gast, der Process Owner bremst das Projekt und das Team arbeitet als Selbsthilfegruppe. Ein konsequenter Change-Ansatz ist deshalb unverzichtbar. Bereits früh müssen Rollen geklärt, Verantwortlichkeiten klar kommuniziert und Entscheidungswege definiert werden. So entsteht eine Struktur, die alle verstehen – das verhindert Missverständnisse, die nicht nur Verwirrung, sondern auch Ablehnung fördern.
Das wichtigste Werkzeug: Kommunikation
Die durchdachtesten Analysen und alle perfekt gefüllten Diagramme sind wirkungslos, wenn die Kommunikation nicht stimmt. Im SIX SIGMA-Projekt ist sie im Grunde das wichtigste Werkzeug und ein echter Game-Changer.
Ein häufiger Fehler: Das Projektteam gibt lediglich Ergebnisse weiter, statt kontinuierlich über Fortschritt, Hindernisse und Nutzen möglicher Maßnahmen zu informieren. Dabei gilt: Regelmäßigkeit schlägt Perfektion. Lieber sollten Teams eine kurze, transparente Information weitergeben als ein perfekt formuliertes Update – aber drei Wochen zu spät.
Change Management als Teil jeder DMAIC-Phase
Jede Phase des DMAIC-Zyklus profitiert von den Grundsätzen des Change Managements:
- Define: Erwartungsmanagement, Zielklarheit für alle Mitarbeitenden
- Measure: Transparenz schaffen – warum sind Daten wichtig?
- Analyze: Teams aktiv einbinden, Hypothesen verständlich erklären
- Improve: Beteiligte mitgestalten lassen
- Control: Erfolge feiern – so wird das Neue zur positiven Erfahrung
Die technische Lösung ist im SIX SIGMA-Projekt also nur die halbe Miete – die andere Hälfte ist das Gefühl, Teil der Veränderung zu sein. Wie wichtig das Gefühl bei einer Sache ist, verdeutlicht ein Beispiel aus der Praxis. So ist die Erfahrung eines Lehrers, dass er Schüler am besten zum Arbeiten und Lernen motivieren könne, indem er Emotionen wecke. Dies steigere auch den Lernerfolg.
Also: Ohne Change Management kein SIX SIGMA
Keine Frage: SIX SIGMA liefert spannende, beeindruckende Werkzeuge und eröffnet unzählige Optionen – die jedoch ohne Akzeptanz im Unternehmen keine spürbaren Prozessoptimierungen und Erfolge erzielen werden. Aktives Change Management sorgt dafür, dass Projekte nicht nur methodisch sauber, sondern auch menschlich nachhaltig umgesetzt werden. Bei Fragen hierzu wenden Sie sich gerne an mich.
Lesen Sie gerne mehr zum Thema Change Management in diesem früheren Beitrag.
Bildquelle: Bild von jcomp auf Freepik