Prozess-Landkarte im SIX SIGMA-Projekt: Schlüssel zur Transparenz

Wer ein SIX SIGMA-Projekt startet, stößt schnell auf Begriffe wie Projektsteckbrief und SIPOC, die in den letzten beiden Blogbeiträgen ausführlich erklärt wurden. Hier reiht sich auch die Prozess-Landkarte ein, die im Gegensatz zum Projektsteckbrief und dem SIPOC-Diagramm nicht in der Define-, sondern in der Measure-Phase des DMAIC-Zyklus erstellt wird – und eine detaillierte Darstellung aller Prozessschritte, ihrer Eingangs- und Ausgangsgrößen sowie weiterer relevanter Charakteristika eines Prozesses enthält. Die Prozess-Landkarte ist aufwendig, umfassend und komplex – aber lohnend und unverzichtbar für den Erfolg des SIX SIGMA-Projekts.

Warum ist die Prozess-Landkarte so wichtig?

Die Prozess-Landkarte ist weit mehr als ein hübsches Diagramm: Sie dient als übersichtliche, grafische Darstellung der zeitlichen Abfolge sämtlicher Prozessschritte – hierzu zählen:

  • Input- und Output-Parameter
  • Stör- und Regelgrößen
  • Hinweise zu manuellen und maschinellen Tätigkeiten
  • Arbeitsanweisungen

Anhand der Output-Parameter erkennen SIX SIGMA-Teams, ob ein Schritt korrekt ausgeführt wurde. Ein Beispiel: Beim Prozess „Waschen und Trocknen von Glasscheiben“ können bis zu zehn Schritte vorkommen, jeder mit eigenen Eingangs- und Ausgangsgrößen.

In sechs Schritten zur Prozess-Landkarte

Wichtig ist, dass die Prozess-Landkarte zum Start des SIX SIGMA-Projekts durchdacht, aussagekräftig und korrekt ist – das kostet Zeit, erfordert einen detaillierten Blick und kann durchaus bis zu 15 Stunden in Anspruch nehmen. Gehen Sie gemeinsam mit Ihrem Team stets strukturiert vor – diese sechs Schritte helfen dabei:

1. Prozessschritte darstellen: Zerlegen Sie den Prozess in einzelne Schritte und ordnen Sie diese zeitlich.

2. Wertschöpfung bewerten: Kennzeichnen Sie jeden Schritt als wertschöpfend oder nicht wertschöpfend – dies ist wichtig für spätere Optimierungen.

3. Output-Größen definieren: Welche messbaren Ergebnisse ergibt jeder Prozessschritt?

4. Input-Größen festlegen: Welche Eingangsgrößen gibt es, welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

5. Weitere Charakteristika ergänzen: Geben Sie an, ob der Prozessschritt manuell oder maschinell erfolgt, ob es Arbeitsanweisungen oder relevante Störgrößen gibt.

6. Plausibilität prüfen: Passen alle Prozessschritte zusammen und stimmen Inputs und Outputs? Prüfen Sie alle Schritte auf logische Verknüpfung.

Möglichkeiten zur Darstellung von Prozessen

Neben der klassisch in SIX SIGMA verwendeten Prozess-Landkarte gibt es weitere Optionen zur Visualisierung von Prozessschritten.

  • Spaghetti-Diagramm: Dieses Werkzeug stammt aus dem Lean-Management. Es visualisiert Wege, die Material oder Personen innerhalb eines Prozesses zurücklegen. Die Darstellung erinnert oft an einen „Spaghetti-Haufen“, daher die Bezeichnung. Es soll unnötige Bewegungen/Wege sichtbar machen und somit Verschwendung reduzieren.
  • Sankey-Diagramm: Mit dem Sankey-Diagramm können Sie Material-, Energie- sowie Kostenflüsse innerhalb eines Prozesses darstellen. Je breiter die Pfeile, desto größer die Menge des jeweiligen Flusses. Häufig wird es im Ingenieurwesen eingesetzt, um Ineffizienz aufzudecken.
  • Swimlane-Diagramm: Das Schwimmbahn-Diagramm ordnet Prozessschritte in Bahnen – diese werden jeweils einer Rolle oder Abteilung zugeordnet. So können Verantwortungsbereiche im Prozessverlauf klar veranschaulicht werden. Besonders sinnvoll ist dieses Werkzeug, wenn Prozesse mehrere Abteilungen durchlaufen, was vor allem bei administrativen Prozessen der Fall ist.

Typische Fehler bei der Erstellung der Prozess-Landkarte

Für den Erfolg Ihres SIX SIGMA-Projekts und folglich eine wirksame Prozessoptimierung ist eine strukturierte und korrekte Prozess-Landkarte die Basis. Einige Fehler schleichen sich hierbei immer wieder ein:

  • Falscher Detaillierungsgrad: Wichtige Einflussgrößen fehlen oder Prozessschritte sind zu detailliert und unübersichtlich.
  • Falsche Prozesswahl: Die Ursache des Problems wird falsch vermutet, der falsche Prozess analysiert.
  • Ereignisse statt Tätigkeiten: Prozessschritte werden als Ereignisse oder Meilensteine statt als aktive Tätigkeiten beschrieben.
  • Nicht messbare Output-Größen: Es werden Begriffe wie „gut“ oder „schlecht“ verwendet statt messbarer Kriterien.
  • Unpräzise Input-Größen: Einflussgrößen werden zu allgemein benannt.

Fundament für Transparenz und SIX SIGMA-Erfolge

Die Prozess-Landkarte dient als Grundlage für ein einheitliches Verständnis des Prozesses innerhalb des SIX SIGMA-Teams und zur systematischen Ermittlung aller Einflussparameter. Zudem stellt sie die Basis für die Ursache-Wirkungs-Matrix dar, die im nächsten Blogbeitrag betrachtet wird. Bei Fragen helfe ich Ihnen jederzeit gerne weiter.

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