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Sinnvoll priorisieren mit der Ursache‑Wirkungs‑Matrix
Im vorherigen Beitrag haben wir uns mit der Prozesslandkarte für SIX SIGMA-Projekte beschäftigt – also dem „großen Ganzen“ als Überblick, wie Prozesse im Unternehmen funktionieren und miteinander verknüpft sind. Sobald diese Übersicht steht, taucht meist die nächste Frage auf: Welche Einflussgrößen innerhalb dieser Prozesse bestimmen eigentlich die Qualität der Ergebnisse?
Hierzu liefert die Ursache-Wirkungs-Matrix Antworten. Als wesentliches Werkzeug im SIX SIGMA-Ansatz spielt sie insbesondere in der Measure-Phase des DMAIC-Zyklus‘ eine wichtige Rolle und hilft dabei, Prozess-Einflussgrößen zu identifizieren.
Die Ursache-Wirkungs-Matrix einfach erklärt
Die Ursache-Wirkungs-Matrix, im Englischen Cause-and-Effect-Matrix, ist ein strukturiertes Instrument, das mögliche Einflussgrößen (Inputs, X-Variablen) mit Prozess- oder/und Kundenanforderungen (Outputs, Y-Variablen) in Verbindung setzt. Dabei dient dieses Werkzeug für Unternehmen vor allem der Beantwortung einer maßgeblichen Frage: Welche Eingangsgrößen beeinflussen, ob wir das liefern/produzieren, was der Kunde erwartet?
Somit bildet die Ursache-Wirkungs-Matrix gewissermaßen eine Brücke zwischen Kundenperspektive und interner Prozessanalyse.
Prioritäten klar definieren
SIX SIGMA-Teams werden im Rahmen ihrer Analysen feststellen: Einflussfaktoren innerhalb von Prozessen gibt es viele. Materialeigenschaften, Mitarbeiter-Know-how, Reihenfolgen, Messmethoden, Maschinenparameter und noch viele mehr. Aber: Nicht alle davon sind gleichermaßen wichtig.
Die Ursache-Wirkungs-Matrix hilft dabei …
… relevante Faktoren zu priorisieren.
… auf fokussierte Weise Daten zu erheben.
… Ressourcen gezielt und sinnvoll einzusetzen.
… nachgehend statistisch zu analysieren, welche Faktoren tatsächlich kritisch sind.
Wie funktioniert die Matrix in SIX SIGMA-Projekten?
Der Aufbau der Ursache-Wirkungs-Matrix ist immer ähnlich:
- Definition von Kundenanforderungen oder Prozess-Outputs (Y-Variablen) und Bewertung nach Wichtigkeit, zum Beispiel mittels Skala von 1 bis 10
- Sammeln potenzieller Einflussfaktoren (X-Variablen) mithilfe von Brainstormings, Prozessanalysen – idealerweise durch die vorgeschaltete Prozesslandkarte, die alle möglichen Einflussfaktoren (Stör- und Regelgrößen) den einzelnen Prozessschritten zugeordnet hat – oder Tools wie das Ishikawa-Diagramm
- Bewertung jedes Einflussfaktors auf jeden Output, bestenfalls durch Fachleute des Unternehmens – etwa mit 0 (kein Einfluss) bis 10 (hoher Einfluss)
- Berechnung der Punktewerte durch Gewichtung x Einfluss – dies ergibt einen Score für jeden Einflussfaktor
- Priorisierung der X-Variablen – die höchsten Scores sind kritische Einflussfaktoren, auf die sich die weitere Analyse konzentriert
So entsteht für alle Beteiligten eines SIX SIGMA-Projekts ein übersichtliches Bild relevanter Faktoren, die intensiver untersucht werden müssen.
Ein Beispiel zur Veranschaulichung
Stellen wir uns vor, ein Unternehmen erhält ständig Kundenbeschwerden über verspätete Lieferungen. In der Prozesslandkarte hat sich der Versandprozess als kritisch herausgestellt – die Ursache-Wirkungs-Matrix soll helfen, wichtige Einflussfaktoren zu erkennen.
Outputs (Y-Variablen):
- Pünktliche Lieferung: Gewichtung 10
- Transparente Sendungsverfolgung: Gewichtung 7
Inputs (X-Variablen):
- Schnittstelle zum Logistikdienstleister (X1)
- Verpackungszeit pro Auftrag (X2)
- Systemverfügbarkeit des ERP (X3)
Nachdem das SIX SIGMA-Team die Einflussfaktoren bewertet hat, ergibt sich folgende Tabelle:
| Output | Gewichtung | X1 | X2 | X3 |
| Pünktliche Lieferung | 10 | 9 | 3 | 3 |
| Sendungsverfolgung | 7 | 9 | 2 | 9 |
Die Berechnung der Scores zeigt, dass die Schnittstelle zum Logistikdienstleister (X1) mit Abstand den wichtigsten Einflussfaktor darstellt, denn:
(10x9) + (7x9) = 153
Damit zeigt sich klar: Für die nächste DMAIC-Phase lohnt es sich, vor allem Prozessdaten zur Logistik-Schnittstelle zu erheben, um zum Beispiel Ausfallzeiten oder fehlerhafte Trackingdaten zu identifizieren und diese Probleme zu beheben.
Ursache-Wirkungs-Matrix als kraftvolles Tool im SIX SIGMA-Werkzeugkasten
Die Ursache-Wirkungs-Matrix stellt im Rahmen eines SIX SIGMA-Projekts ein bedeutendes Instrument dar, um Analysen und Optimierungsarbeit zu strukturieren und zu priorisieren, statt nach Bauchgefühl vorzugehen. Auch komplexe Prozesse lassen sich so gut reduzieren, um den Fokus auf wesentliche Faktoren legen zu können.
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Bildquelle: John Hain auf Pixabay