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SIX SIGMA und KVP: Wege zur Qualität – doch welcher führt zum Ziel?
Beschäftigen sich Unternehmen mit Qualitätsmanagement und Prozessoptimierung, bemerken sie schnell, dass viele Wege nach Rom führen können – aber wer die falsche Wahl trifft, kann sich auch gewaltig verfahren. Neben SIX SIGMA und LEAN zählt auch die Qualitätsphilosophie KVP zu den am häufigsten in der Praxis angewendeten Methoden. Beide Verfahren zielen auf weniger Fehler und zufriedenere Kunden ab. Wie entscheiden Unternehmen also, welche Methode für sie die richtige ist? Es kommt darauf an. Und zwar auf die Komplexität des Problems.
KVP – der pragmatische Problemlöser
Die Abkürzung KVP steht für „Kontinuierlicher Verbesserungsprozess“. Er ist sozusagen der emsige Hausmeister in der Prozessstruktur des Unternehmens. Klemmt es irgendwo, bringt er es mit dem passenden Werkzeug wieder in Ordnung. KVP basiert auf kleinen, aber stetigen Verbesserungen, oftmals initiiert von Mitarbeitern selbst, die Fehler bemerken und darauf hinweisen. Besonders bei geringer Problemkomplexität eignet sich KVP gut. Sind die Ursachen der Probleme klar, lassen sie sich schnell beheben.
Ob Probleme als komplex verstanden werden oder nicht, kann mithilfe des Komplexitätsdreiecks bestimmt werden: Im Mittel sind etwa 80 Prozent aller Probleme eher von niedriger Komplexität, die jedoch nur 20 Prozent der Kosten verursachen, da sie verhältnismäßig schnell zu beheben sind.
Ein Beispiel für den erfolgreichen Einsatz von KVP:
In einem Unternehmen tritt am Netzwerkdrucker regelmäßig Papierstau auf. Ein kleines Team analysiert den Ablauf und stellt fest, dass das Papier zu dick für den Drucker ist – durch eine neue Papiersorte wird das Problem behoben.
Warum KVP?
- Ursache ist schnell bekannt
- Lösung ist direkt umsetzbar
- geringe Komplexität, geringe Kosten
SIX SIGMA – der Daten-Detektiv
Wenn der Hausmeister nicht mehr weiter weiß, muss ein Spezialist übernehmen. Mit dem DMAIC-Zyklus und statistischen Werkzeugen erforscht SIX SIGMA das Problem, wenn die Ursache nicht offensichtlich ist. Je höher die Komplexität, desto eher stößt KVP an seine Grenzen.
Laut dem Komplexitätsdreieck verursachen 20 Prozent der Probleme 80 Prozent der Kosten. Warum? Weil sie sich hartnäckig halten, immer wieder auftreten und schlimmstenfalls bis zum Endverbraucher vordringen, der Produkte reklamiert. So kann es zu hohen Kosten und natürlich auch zu einem großen Image-Schaden kommen. Hier greift auch die berühmte 10er-Regel der Fehlerfolgekosten, die bereits in einem Blogbeitrag behandelt wurde. Sie besagt: Ein Fehler, der erst beim Kunden auffällt, kostet zehnmal mehr als einer, der frühzeitig erkannt wird. SIX SIGMA erforscht den Ursprung des Problems, um ihn so früh wie möglich im Prozess zu beheben.
Ein Beispiel für den erfolgreichen Einsatz von SIX SIGMA:
Ein Unternehmen beklagt die hohe Ausschussrate bei einem Bauteil. Die Fehler treten unregelmäßig auf, die Ursache ist unklar. Hohe Nacharbeitskosten fallen an, Kunden reklamieren häufig. Ein SIX SIGMA-Team analysiert den Prozess, sammelt Daten und wertet sie statistisch aus. Die Analyse zeigt, dass minimale Temperaturschwankungen in der Fertigung den Fehler verursachen. Nach der Anpassung sinkt die Ausschussrate.
Warum SIX SIGMA?
- Ursache nicht offensichtlich
- umfangreiche Datenanalyse notwendig
- hohe Komplexität, hohe Kosten
KVP oder SIX SIGMA? Eine strategische Entscheidung
Die Wahl zwischen KVP und SIX SIGMA ist also keine Glaubensfrage, sondern ergibt sich durch den Grad der Komplexität des Problems von selbst. Während KVP ideal für den Alltag und größtenteils stabile Prozesse mit leichtem Verbesserungspotenzial ist, eignet sich SIX SIGMA, wenn teure und unklare Probleme auftreten, die eine umfangreiche Analyse erfordern.
Aber: KVP und SIX SIGMA lassen sich durchaus sinnvoll kombinieren und können sich in vielen Problemstellungen gut ergänzen – sodass am Ende die Qualität stimmt. Gerne beantworte ich Fragen zu den Unterschieden zwischen KVP und SIX SIGMA.
Bildquelle: kreativkolors auf Freepik