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Vom Chaos zur Klarheit – oder: Wie ich zu SIX SIGMA kam
Wer diesen Blog verfolgt, bemerkt sicherlich meine Leidenschaft als SIX SIGMA-Berater und Master Black Belt sowie meine Überzeugung im Hinblick auf Werkzeuge und Methoden. Aber auch ich habe eigentlich auf der anderen Seite angefangen, denn meine berufliche Karriere begann ich nach dem Studium der Chemie in der Flachglasindustrie. Dort war es ein großes Thema, Glas dynamisch zu gestalten. Man wollte, dass der Kunde an seinem Fensterglas die lichttechnischen Eigenschaften ändern kann. Sollte dies gelingen, so könnte man Fenster – in Abhängigkeit von den Jahreszeiten oder dem Tagesverlauf der Sonne – nach Belieben hell und wieder dunkel schalten.
Von der Idee zum Produkt – oder auch nicht
Diese Idee faszinierte mich – und gemeinsam mit den Physikern, die bereits involviert waren, lernten wir die Eigenschaften von veränderbaren Materialien kennen und entwickelten das Produkt schrittweise von kleinen Abmessungen zu immer größeren Dimensionen.
Die ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten und so wuchs die Motivation, das Projekt fortzuführen. Doch nach einigen Jahren – und hohen Investitionen – mussten wir feststellen, dass die Hürden zur Marktreife immer größer wurden. Es tauchten im Laufe der Jahre immer neue Anforderungen und Problemfelder auf. Nach insgesamt 15 Jahren der letztendlich nicht erfolgreichen Entwicklung mit einem Budget von etwa zwei Millionen Euro pro Jahr war die Zeit gekommen, das Projekt insgesamt zu beenden.
Der Blick mit der „SIX SIGMA-Brille“
Während dieser dramatischen Zeit, die alle Beteiligten – von der Unternehmensleitung bis zum Laboranten – sehr emotional bewegte, hörte ich von SIX SIGMA. Die Neugier veranlasste mich zu einem Beratungsgespräch mit einem erfahrenen SIX SIGMA Master Black Belt. Er erklärte, dass es möglicherweise noch eine gute Chance gäbe, dass damals gestartete Projekt erfolgreich zu Ende zu bringen. Wir entwickelten eine Strategie zum Training der involvierten Mitarbeiter, kurz: Der Master Black Belt kam in unser Unternehmen und gab ein vierwöchiges SIX SIGMA Black Belt Training für insgesamt 15 Personen.
Bereits am ersten Trainingstag war meine Begeisterung für SIX SIGMA geweckt. Im Laufe der Wochen kam ich zu der Überzeugung, mir das Projekt der schaltbaren Fenster mit der „SIX SIGMA Brille“ anschauen und die neu gelernten Werkzeuge anwenden zu wollen. Zunächst war jedoch die Geschäftsführung zu überzeugen, noch ein 16. Jahr der Entwicklung zu finanzieren. Dies gelang mir tatsächlich, jedoch nur mit reduziertem Budget, also auch mit reduziertem Personal.
Problemlösung in nur sechs Monaten
Mit Anwendung der SIX SIGMA Werkzeuge, insbesondere der Statistischen Versuchsplanung (DoE), war ich überrascht, wie schnell ich mehr und bessere Ergebnisse erhielt als in den 15 Jahren zuvor. Nach etwa sechs Monaten waren nahezu alle technischen Probleme gelöst und nach einem weiteren halben Jahr konnten wir die ersten Produkte an einen ersten Kunden verkaufen.
Was hatten wir 15 Jahre lang falsch gemacht?
Dass mit SIX SIGMA in wenigen Monaten gelang, was 15 Jahre lang vergeblich versucht wurde, hat mich dazu veranlasst, auch zu hinterfragen, wo die Fehler lagen – und was ich aus ihnen gelernt habe:
- Ich habe Phänomene der Streuung, die unvermeidbar sind, als Effekte interpretiert, die keine waren. Erst mit etwas Statistik habe ich gelernt, Streuung als scheinbare Effekte zu behandeln und diese von wahren Effekten zu unterscheiden (t-Test, ANOVA).
- Ich habe gelernt, Versuche systematisch zu planen. Davor hatte ich Versuche stets in der Hoffnung durchgeführt, dass der nächste Anlauf nun endlich den Durchbruch und neue Erkenntnisse bringen würde. Das war jedoch nie der Fall. SIX SIGMA lehrt uns über DMAIC, zunächst eine saubere Planung zu erstellen und lieber etwas länger über Aktionen nachzudenken, als irgendwelche teuren Versuche zu starten.
- Ich habe gelernt, was Wechselwirkungen sind. Zuvor – also mit universitärem Wissen – waren mir Wechselwirkungen unbekannt. Heute kann ich sagen, dass nahezu jedes technische System Wechselwirkungen zeigt. Diese zu ignorieren ist nicht klug und führt nur dazu, dass man als Ingenieur, Physiker, Chemiker etc. das System nicht versteht. Und ohne ein fundiertes technisches Verständnis kann heute kein Produkt mehr erfolgreich entwickelt werden.
- Ich habe gelernt, vor Beginn einer Entwicklung ein sauberes Anforderungsprofil aufzustellen, welches über eine Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung, dem Vertrieb, der Qualitätssicherung und der Produktion erhalten werden kann. Ich habe gelernt, dass ein unvollständiges Anforderungsprofil zu einer unerträglichen Kostenexplosion führt.
- Ich habe gelernt, dass Zahlen, Daten, Fakten wichtiger sind als Meinungen.
Warten auch Sie auf den Aha-Moment?
Vielleicht stehen auch Sie mit Ihrem Unternehmen vor einem scheinbar unlösbaren Problem, das bereits viel Geld verschlungen hat. Vielleicht gibt auch Ihnen, wie mir damals, ein Einblick in SIX SIGMA neue Impulse und eine völlig neue Sicht auf die Dinge. Lassen Sie sich gerne von mir beraten.